Benin – Reise in ein noch unbekanntes Land

Benin – wo liegt das denn? – was willst du denn dort? Diese und ähnliche Fragen wurden uns, einer Gruppe von 18 Personen aus der Domgemeinde sowie anderen Gemeinden Osnabrücks und Umgebung häufiger gestellt, als wir uns im vergangenen Jahr entschlossen hatten zusammen mit Kaplan Roland Kpadanou in sein Heimatland zu fahren.

 

Ziel dieser Reise war es, sein Land, ein kleiner Staat in Westafrika, dessen Kultur und seine Menschen, insbesondere das Leben in den Gemeinden, Entwicklungsprojekte und vieles mehr kennenzulernen.


Nach intensiver Vorbereitung – dazu gehörten außer Informationen über das Land und über die geplante Route auch eine sprachliche und gesangliche Einführung - starteten wir am 4.10.2020 mit unserer Fahrt, ausgestattet mit je 2 Koffern pro Person. Mindestens einer davon war jeweils gefüllt mit zuvor gesammelten Spenden für Gemeinden im Benin.

Gleich nach der Ankunft gab es die erste kulturelle Einführung: Nach Vermessung und Stoffauswahl wurden wir nur 2 Tage später mit typischer maßgeschneiderter afrikanischer Kleidung ausgestattet, die von Rolands Familie und Freunden angefertigt worden war. Jetzt waren wir gut gerüstet für kulturelle Ereignisse und hatten zugleich Rolands Dorf einen kleinen wirtschaftlichen Impuls verschafft.

Mit zwei Kleinbussen, gesteuert von Gaston und Patrice, sehr kompetente und hilfsbereite Fahrer, wurden wir auch durch die größten Schlaglöcher immer zuverlässig zu unseren Zielen kutschiert. Wir besuchten verschiedene katholische Gemeinden im Bistum Lokossa, Rolands Heimatbistum, und in anderen Regionen. Der Empfang war immer sehr herzlich und oft mit Tanzvorführungen verbunden, in die wir integriert wurden. So viel getanzt, wie auf dieser Reise, haben manche von uns schon lange nicht mehr!

So lernten wir intensiv die Situation in den Dörfern im Süden des Landes kennen, sahen Ölpalm- und Baumwollanabau, die traditionelle Essenszubereitung und typische handwerkliche Techniken, durften sogar in einzelne Häuser hineinschauen. Und immer waren wir umringt von fröhlichen Kindern, die aber nie bettelten.

In den Dörfern trafen wir jeweils die Pfarrer und Gemeindevertreter, die uns ihre Projekte zeigten und von ihrer Situation, den Planungen und Problemen berichteten. Dabei übergaben wir unsere mitgebrachten Spenden als Gastgeschenk, froh, auf diese Weise den Gemeinden zumindest eine kleine Hilfe bzw. Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Auf diese Weise lernten wir ein Kindermusikzentrum, eine Lepra- und eine Geburtshilfe-station, ein Brunnenprojekt der Kolpingfamilie, das Priesterseminar in Ouidah (Bild 16a), eine Tonfabrik - ein Frauenprojekt - sowie das Schulprojekt Esolanyon in Sè kennen. In dieser Schule wurden wir mit verschiedenen Vorführungen von der Schulgemeinschaft begrüßt und bekamen bei einem Gang durch einige Klassenzimmer eine lebendige Vorstellung vom Schulleben, das den Schülerinnen und Schülern dort eine echte Chance auf gute Bildung liefert.

Und immer versorgte man uns mit typischen, aus Rücksicht auf den empfindlichen europäischen Magen entsprechend schonend zubereiteten afrikanischen Speisen. Besonders reichhaltig und schmackhaft war es bei Rolands Familie, bei der wir zu einem Mittagessen eingeladen waren.

Aber auch andere Aktivitäten kamen nicht zu kurz: eine Bootsfahrt auf einem See, ein naturkund-licher Ausflug in Togo (Nachbarland von Benin) zu einem Wasserfall mit Wanderung durch tropische Wälder, Besuche bei afrikanischen Künstlern, einem Museum sowie der „Route der Sklaven“ in Ouidah

Highlights v.a. für die Frauen unserer Gruppe waren sicherlich die verschiedenen Märkte, wo außer Souvenirs insbesondere wunderschöne, farbenfrohe afrikanische Stoffe gekauft werden konnten.

 

Abends entspannten wir uns in z.T. sehr idyllisch gelegenen Hotelanlagen, manchmal mit Pool, und ließen die Eindrücke des Tages Revue passieren, begleitet von angenehm kalten beninischen Bier.

Besondere Höhepunkte waren der Gottesdienstbesuch in der Kathedrale von Lokossa mit anschließendem Abendessen mit dem Bischof sowie der Abschlussgottesdient in Sè, bei dem wir bereits morgens um 7 Uhr auch mit unserer Gesangseinlage und inzwischen perfektionierten Tanztechniken zum Einsatz kamen.

Während der gesamten Reise stand uns mit Roland ein immer gut gelaunter, kompetenter und sehr hilfsbereiter „Reiseleiter“ zur Seite, der, unterstützt durch seinen Freund Coffi Destin, alle Herausforderungen meisterte.

Insgesamt haben wir mit dieser Fahrt einen intensiven Einblick in ein wirtschaftlich zwar armes Land bekommen, das aber durch den Einsatz vieler engagierter Menschen sicherlich gute Chancen für die Zukunft hat. So kehrten wir nach insgesamt 12 Tagen zwar ein wenig erschöpft, aber um viele wertvolle Erfahrungen reicher, zurück nach Osnabrück und zehren noch heute von unseren vielen Eindrücken.

 

Barbara Köster